Nach der Rückkehr aus Rom im Juli 1961 bewarb sich Zauner um eine freie Lehrerstelle in dem Tiroler Bergdorf
Obergurgl. Der Plan, nach Amerika auszuwandern, mußte aufgegeben werden, weil Roswitha Mutterfreuden entgegensah.
'Ihr Ziel war von Anfang an festgelegt: schreiben und frei sein. Das Startgeld wollten sie in Amerika verdienen, aber da
meldete sich Jakob, das älteste Kind, an; so landeten sie als Lehrer in einer einklassigen Volksschule in Obergurgl. Frei
waren sie nicht, aber geschrieben haben sie trotzdem.' (Eva Bakos in 'Brigitte' vom 9. 9. 1981)
Für beide wurde diese Zeit bedeutungsvoll. Zauner, in Linz für den Lehrberuf vorbereitet, vertiefte seine psychologischen
und pädagogischen Kenntnisse im Umgang mit Kindern und fand darin so manche Anregung, die er Jahre später bei der
Abfassung seiner Theaterstücke, Hörspiele und Romane verwendete. 'Jeder, der ein bißchen was von Kindern versteht, weiß,
wie wichtig für sie das Spiel ist. Die erste bewußt humane Reaktion eines kleinen Menschenwesens ist das Spiel. Mit den
Armen, mit den Beinen, mit dem eigenen Körper, mit dem Körper der Mutter, später das Spiel mit der Sprache, das
Kontaktspiel, das Durchprobieren von Ausdrucksweisen zwischen Freude und Zorn, zwischen Lachen und Weinen, zwischen
Abweisung und Liebe. Noch ein wenig später kommt das Rollenspiel dazu: Man spielt Vater und Mutter, man spielt Doktor,
Flugkapitän, spielt Sterben und Auferstehung, spielt König und Fee... das ganze Repertoire, aus dem die Shakespeares und
Brechts ihre Welt zusammensetzen.' (Friedrich Ch. Zauner, 'Theaternotizen' in Theaternachrichten Salzburg vom Februar 1981)
Ein Jahr früher liest man in einer Publikation anläßlich der Eröffnung des Braunauer Stadttheaters: 'Kinder sind wahre Genies
im Spielen. Es gibt kein unbegabtes Kind. Jeder junge Mensch kann singen, tanzen, kann fabulieren, kann zeichnen, formen,
gestalten, erfinden, hat einen unerschöpflichen Vorrat an Phantasie. Kinder spielen mit einem Ernst, mit einer Intensität, die
faszinieren.' (Braunauer Stadtnachrichten vom Oktober 1980)
In Obergurgl wurde am 23. März 1962 der Sohn Jakob, am 19. April 1964 die Tochter Anne geboren. Die beiden anderen
Mädchen, Agnes, geb. am 26. August 1965 und Christa, geb. am 29. August 1966 kamen schon in Rainbach auf die Welt,
wohin man nach vierjähriger Lehrtätigkeit in Obergurgl übersiedelt war.
Roswitha hatte nämlich ebenfalls zu schreiben begonnen und mit ihrem ersten Hörspiel: "Meditationen über Peuerbach" den
Jugendkulturpreis der Stadt Innsbruck bekommen. Es wurde am 2. November 1965 in einer Koproduktion des Bayerischen
mit dem Saarländischen Rundfunk und kurz darauf auch vom ORF gesendet.