'Der Beruf hat zwei Grübler zur Berufung geführt, sodaß sie eins wurden, auf Anstellung und Pension verzichteten,
um ganz ihren Neigungen und ganz von ihren Neigungen zu leben', schreibt Dr. Josef Laßl im OÖ. Kulturbericht vom
23. 7. 1971.
Das Elternhaus am Ortsausgang von Rainbach, wohin man also übersiedelte, wurde nach und nach umgebaut und ihren
Bedürfnissen angepaßt. Die Wirtschaftsgebäude wurden in Wohnräume umgestaltet, denn die Familie wuchs und der
Wohnbedarf wurde größer. 'Das Abseits vom Getriebe garantiert ein ruhiges überlegen und ein langes
Dranbleibenkönnen, bis der Stoff im Griff liegt.' (Dr. Josef Laßl in OÖ. Kulturbericht vom 23. 7. 1971)
In seiner schriftstellerischen Tätigkeit ist Zauner tatsächlich frei und in der literarischen Szene der österreichischen
Dramatiker eine Einzelerscheinung. Mehr als ein Jahrzehnt gehörte er keiner Schriftstellervereinigung an, ist aber
seit 1982 Mitglied des OÖ. P.E.N.-Clubs, zu dessen Präsidenten er 1989 gewählt wurde.
Als Roswitha und Friedrich sich entschlossen hatten, sich in ihrem Heimatort dauernd niederzulassen, fehlte es nicht
an warnenden Stimmen von wohlmeinenden Freunden: 'Da draußen versauert ihr, ihr verliert den Anschluß, wie kann
man dichten hinterm Wald, ihr werdet vergessen usw. - Richtig, es dauert schon eine Weile, bis die großen
Verantwortlichen in den Metropolen zur Kenntnis nehmen, was nicht vor ihrer Haustür stattfindet. Richtig, für das,
was man Karriere nennt, ist Rainbach nicht gerade ein Vorteil. Aber: Provinz gibt es auch reichlich in den Metropolen.
Und es ist unleugbar, daß sehr viel Innovatives gerade auf dem flachen Land gedeiht. Die Menschen sind draußen weder
dümmer, noch weniger informiert, noch weniger wert, noch ist die Kunst weniger Kunst in Braunau oder in St. Willibald.
Ich sage: Wo immer ein gutes Buch zur Hand genommen wird, Musik auf den richtigen Hörer trifft, ein Bild sich einprägt,
Theater zum Erlebnis wird, ist für Augenblicke der Mittelpunkt der Welt.' (Braunauer Stadtnachrichten vom Oktober 1980)
Aus einem im Jahre 1978 vom Schweizer Rundfunk Bern ausgestrahlten Hörspiel ("Recheuz") formte Zauner seinen
ersten Roman mit dem Titel: "Dort oben im Wald bei diesen Leuten". Was ihn, der sich bisher nur mit dramatischen
Arbeiten beschäftigt hatte, dazu bewog, erzählt er Carna Zacharias im AZ-Feuilleton München vom 23. 9. 1981 so:
'Es ist da noch eine Dimension dazugekommen, die mir früher nicht zur Verfügung stand. Mich hat am Roman immer
der 'allwissende Erzähler' abgestoßen, der über die Gefühle seiner Figuren genau Bescheid weiß. Im Theater funkt es
dagegen zwischen Menschen. Aber ich habe auch den Nachteil des Theaters gesehen: Daß die Umwelt der Menschen
immer Kulisse bleiben muß. Und ich hatte plötzlich ein Thema, wo die 'Kulisse' sehr real und lebendig sein mußte.'
Obwohl er sein Buch nicht als Heimatroman verstanden wissen will und meint, nicht eine bestimmte Landschaft
dargestellt zu haben, gibt er aber in einem Rundfunkinterview zu, daß die Umgebung den Menschen mehr prägt,
als er es wahrhaben will. Es ist der Sauwald und seine Menschen, die hier geschildert werden, nicht um ein
einseitig-idealisiertes Bild vom Landleben zu zeichnen, sondern es geht ihm vielmehr darum, die 'eigenen Wurzeln
wiederzuentdecken'.
Für die Rieder Volkszeitung (4. 2. 1982) ist Zauner eine singuläre Erscheinung unter den österreichischen Autoren:
'Konsequent verfolgt er seinen Weg seit seinen ersten Veröffentlichungen, er verweigert sich allen Ismen, allen
bequemen Zuordnungen. Zauner kommt aus dem Realismus, erzählt von Welt und Menschen, greift gern brisante
Themen auf wie Jugendprobleme, Sekten, Fragen der Gewalt in unserer Gesellschaft, Themen wie Tod und Isolation.
Aber er beläßt seine Stoffe nie im Beschreibenden, denn er hat sich eine Erzählweise erarbeitet, die ihm ständig
Grenzüberschreitungen erlaubt, die es zuläßt, Realität aufzubrechen und dahinterliegende Strukturen, Ängste oder
Traumata freizulegen. 1936 in Rainbach geboren, lebt Zauner nach Studium und Auslandsaufenthalten wieder in
seinem Geburtsort, einem 50-Häuser Dorf an der österreichisch-bayerischen Grenze, als freier Schriftsteller.
Vielleicht sind es gerade dieses Einzelgängerische und die Nachbarschaft der 'einfachen Leute', die Zauners
künstlerische Position mitgeprägt haben, denn im Gegensatz zur österreichischen literarischen Gepflogenheit ist
er weder autistisch noch sprachverliebt. Was ihn auszeichnet, ist die Dichte seiner Menschenbilder, ist seine
ursprüngliche Sinnlichkeit, mit jenem dunklen Grundton, der ihn mit seinem engeren Landsmann Alfred Kubin verbindet.'